Jürg Neuenschwander

Jürg Neuenschwander ist ein Schweizer Regisseur und Produzent. Er ist Inhaber der Container Film AG.

Jürg Neuenschwander ist ein international vernetzter Filmregisseur, Medienberater, Experte für Filmstudien und Erforscher interaktiver Designanordnungen, bei denen immer der Mensch im Mittelpunkt steht. Er führt Regie bei Kurz- und Kino-Dokumentarfilmen, bei Kunstprojekten und bei interaktiven Xmedia-Produktionen. Heute lebt er in Bern, Paris und in Schanghai.

Jürg Neuenschwander interessieren die Schnittstellen von innovativem Storytelling, kreativem Dokumentarfilm, Expanded Cinema und raumgreifenden Kunstprojekten. Er nimmt die Herausforderungen der Digitalisierung an und erkundet Erzählformen, die durch Virtual und Augmented Reality, 360°-Video oder Webdoc erst möglich sind.

Jürg Neuenschwander ist Mitglied des Verbandes Filmregie und Drehbuch Schweiz. Seine Filme werden unterstützt vom Schweizer Bundesamt für Kultur, dem Schweizer Radio und Fernsehen, von SRG SSR, der Berner Film Förderung und von Privatpersonen sowie Stiftungen.

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Filme

Jürg Neuenschwander hat sich als Regisseur und Produzent von Kino-Dokumentarfilmen einen Namen gemacht. Sein Schaffen ist geprägt durch die unabhängige Themenwahl, seine kollaborative Arbeitsweise und eine eigenständige, filmische Gestaltung.

Jürg Neuenschwanders in China gedrehter Kino-Dokumentarfilm The Chinese Recipe: mutig und klug wurde 2016 auf den Solothurner Filmtagen in der Schweiz uraufgeführt. In China selbst hatte er im gleichen Jahr Premiere auf dem Guangzhou International Documentary Film Festival. Sein jüngster Film Gleich und anders – Wenn die Psyche uns fordert gewann den Publikumspreis auf dem Berner Filmpreis Festival und wird in ausgewählten Kinos gezeigt.

Er setzte bereits 1986 mit seinem Kinofilm My Mother is Sri Lanka, in Co-Regie mit Remo Legnazzi, einen Kontrapunkt zur damaligen, sehr einseitigen Berichterstattung der Schweizer Medien über die Fluchtgründe der Tamilen. Mit Kräuter & Kräfte realisierte er einen Film mit Heilkundigen, die im ländlichen Emmental im gesetzlichen Graubereich arbeiten.

Seine Filme sind mehr als Momentaufnahmen. Nachhaltigkeit prägt seine Arbeit. Beispielhaft ist die Rasheda-Trilogie: Rasheda – keine Zeit für einen Schwatz zeigt wie Rasheda und ihre Familie 1993 mit Hilfe von Mikrokrediten ein erster Schritt aus bitterster Armut und Leibeigenschaft gelingt. Zehn Jahre später folgte The Rasheda Trust: Rasheda und ihre Familie stellen sich den Herausforderungen, die Bankschulden, Missernten, die Schulverweigerung der zwei Söhne und die drohende Isolation in der Dorfgemeinschaft mit sich bringen. Für 2018, 25 Jahre nach dem ersten Film, ist Rasheda’s Destiny – ein neues Verständnis von Armut (Arbeitstitel) geplant.

Wegweisend ist auch der in Westafrika und der Schweiz gedrehte Film Q Begegnungen auf der Milchstrasse, den Neuenschwander auf dem pan-afrikanischen Film Festival Fespaco in Quagadougou vorstellte. Anschliessend reiste er mit dem Film durch den Sahel und brachte sein Werk in Openair-Kino-Vorführungen dahin zurück, wo es gedreht wurde. Diese Reise ist in Neuenschwanders Fernsehfilm Les Amis d’Amadou und in dem Radio Feature Q in Burkina, das Eric Facon für das Schweizer Radio realisierte, ausführlich dokumentiert.

Bevor sich Jürg Neuenschwander in den 1980er-Jahren auf die Arbeit an Kino-Dokumentarfilmen konzentrierte, war er zusammen mit Container TV in den politischen Bewegungen der damaligen Zeit unterwegs. Immer mit dabei: Das Sony Portapak, das erste erschwingliche, tragbare Videoaufzeichnungssystem auf dem Markt. Das Portapak machte es möglich, die eigenen Geschichten und die der Mitaktivisten und Mitaktivistinnen mobil und netzunabhängig aufzuzeichnen und rasch mit Gruppen in anderen Städten im In- und Ausland zu teilen. Die Aufnahmen sollten eine Gegenöffentlichkeit schaffen, eine Berichterstattung von unten, als Gegenpol zur Mainstream-Berichterstattung von Zeitungen, Radiostationen und Fernsehen.

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Engagement

Das noch Unbekannte treibt Jürg Neuenschwander an. Er verlässt immer wieder seine Komfortzone, nimmt Risiken in Kauf. Er geht nach vorne und kommt dabei sehr nahe an andere Menschen heran.

Jürg Neuenschwanders Aktivitäten sind tief in seiner eigenen künstlerischen Praxis verwurzelt und zentriert. Er will Wandel, Kreativität und Innovation bewirken. Seine Arbeit baut Brücken zwischen Menschen und Kulturen, Kunst und Politik.

Egal ob er sich sich auf die Welt der traditionellen Oper im heutigen China, auf Mikrokredite in den Händen einer Kleinunternehmerin in Bangladesch oder auf den Alltag von Ilettristen konzentriert, ob er sich auf den Alltag psychisch kranker Menschen in einem Hochleistungsland einlässt oder ob er den Erfahrungsaustausch zwischen Milchbauern im Sahel und der Schweiz dokumentiert – Neuenschwander baut immer authentische Beziehungen zu seinen ProtagonistInnen auf. Eindrücklich mitzuerleben ist dies im Film früher oder später, bei dem kranke Menschen im Mittelpunkt stehen, die wissen, dass sie noch während der Filmarbeit sterben und den Film nie sehen werden.

Jürg Neuenschwander ist offen für Projekte mit Universitäten, Regierungs- und Nicht-Regierungsorganisationen sowie Unternehmen. Sein Ziel ist es, gemeinsam mit anderen Beteiligten neue und bahnbrechende Entwicklungen anzustossen. Nach vielen Jahren Arbeit im kulturübergreifenden Kontext ist Neuenschwander heute mit Startups und der Maker-Szene ebenso vertraut, wie mit Universitäten oder der Film- und Medienwelt. Er übernimmt Aufträge für die Konzeption und Produktion von Filmen und Medienprogrammen, arbeitet an Ausbildungscurricula im tertiären Bildungsbereich mit oder entwickelt massgeschneiderte Ausstellungsformate. Darüber hinaus berät er Initiativen und vernetzt sie zu multipolaren Plattformen. Zu seinem Netzwerk zählen Menschen aus Afrika, Asien, Amerika und Europa unterschiedlichen Alters. Manche sind Vertreter bekannter Unternehmen und Institutionen, andere unabhängige, aufstrebende Talente.

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Kunst

Jürg Neuenschwander begann in den 1970er-Jahren mit dem Medium Video zu experimentieren. Seine ersten Kunstinstallationen und Videoarbeiten entstanden mit dem Sony Portapak. Momentan arbeitet er an einem langfristigen Transmedia-Projekt mit dem Titel Stratagem.

Bereits im Jahr 1981 lud der Schweizer Kurator Michel Ritter Jürg Neuenschwander mit seiner Installation ColorTV zur ersten Fri-Art- Ausstellung nach Fribourg ein. Zur damaligen Zeit holte sich Neuenschwander seine Inspiration bei Schweizer Pionieren wie René Bauermeister, Chérif und Silvie Defraoui. Das Atelierstipendium in New York ermöglichte Jürg Neuenschwander einen direkten Zugang zur Arbeit von Künstlern wie Vito Acconci, Steina und Woody Vasulka, Nam June Paik, Jonas Mekas, Alexander Hahn und Bill Viola.

Jürg Neuenschwander zählt zur Gründergruppe der Vereinigung Unabhängiges Video Schweiz und war 1984 intensiv in den Auswahlprozess der ersten umfassenden Zusammenstellung zeitgenössischer Schweizer Videokunst involviert. Er experimentierte mit Live-Musik, Performance und Video in Zusammenarbeit mit den Musikern David Gattiker, Rick Iannacone und Michael Little, sowie dem Künstler Res Ingold und dem Kameramann Peter Guyer. In dieser Zeit entstanden auch Videoarbeiten mit Carlo E. Lischetti (On the Mountain), Boris Nieslony (Kleine Insuffizienzen) oder Roman Signer (Aktionen Bern), um nur einige zu nennen.

Anfang der 2000er-Jahre realisierte Jürg Neuenschwander ZONES, ein vierkanaliges, interaktives Kunst-am-Bau-Projekt für den Eingangsbereich der Zentrale der Schweizer Agentur für Entwicklung und Zusammenarbeit. Eine weitere interaktive Arbeit folgte in Zusammenarbeit mit dem Künstler George J. Steinmann.

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Lehre

Erneuerung und Einflussnahme sind die Markenzeichen von Jürg Neuenschwanders Arbeit an Hochschulen. Lehre heisst für ihn immer auch Arbeit an konkreten, transdisziplinären Projekten.

2016 wurde Jürg Neuenschwander im Rahmen des chinesischen Regierungsprogrammes für Experten der Welt (上海千人计划) zum Shanghai Thousand Talents Chair Professor am College of Arts and Media (艺术于传媒学院) an der Tongji-Universität in Schanghai ernannt. Sein Forschungsgebiet ist interaktives Multiplattform-Storytelling mit analogen und digitalen Medien.

Zwischen 1979 und 1981 war er mitverantwortlich für das Aktionsforschungsprojekt Z’Programm säuber mache (Mach dein eigenes Fernsehprogramm), das die Folgen exzessiven Medienkonsums unter Schulkindern in Berns Tscharnergut-Quartier untersuchte.

Zu seinen frühen Leistungen zählt auch der Aufbau der audiovisuellen Abteilung der Schule für Gestaltung Bern in den 1980er-Jahren. Später war Jürg Neuenschwander Gründungsleiter des MediaLab an der Berner Hochschule der Künste und unterrichtete dort von 1999 bis 2016 im Fachbereich Gestaltung und Kunst audiovisuelle Gestaltung und Film. Zwischen 2009 bis 2012 entwickelte und leitete er ausserdem ein Forschungsprojekt mit dem Titel Cultural Dialogue by Teleconferencing. Dabei handelte es sich um eine Kollaboration mit Barbara Bader, der heutigen Rektorin der Staatsakademie für Kunst und Design Stuttgart. Finanziert wurde das Projekt von der Sino Swiss Science and Technology Cooperation, swissnex China, der Berner Hochschule der Künste und der Tongji-Universität.

Als Vertreter der Berner Hochschule der Künste in China war Jürg Neuenschwander verantwortlich für das Memorandum of Understanding mit der Tongji Universität. Dort hatte er ausserdem einen Sitz im Fachbeirat des Rektors des College of Design and Innovation inne, war von 2009 bis 2015 Gastprofessor und betrieb ein Meisterstudio für innovatives Storytelling. Darüber hinaus gründete er das Y Institute Tongji/BUA, ein Zentrum für Transdisziplinäre Studien. Als Leiter dieses Instituts war er Gastgeber des ersten transdisziplinären Y Think Tank zum Thema New Materiality & Beyond.

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Auftrag

Im Auftrag von nationalen und internationalen Organisationen und Fernsehsendern produziert Jürg Neuenschwander Filme, Lehrmedien und interaktive Medieninstallationen.

Mit Container Film AG nimmt Jürg Neuenschwander regelmässig Aufträge an, bei denen die Vermittlung und Information über komplexe, gesellschaftsrelevante Inhalte und die Prävention im Fokus stehen.

Zu den Kunden zählen das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (Wound Ballistic), die Schweizer Agentur für Entwicklungszusammenarbeit (Rasheda – Keine Zeit für einen Schwatz), das Schweizerische Rote Kreuz (Sehen ist alles), Pro Helvetia (Fri-Art NY Made in Switzerland), die Schweizer Bundesbahn (Die Neubaustrecke Mattstetten(Bern)-Rothrist (Olten)), das Schweizer Bundesamt für Gesundheit in Zusammenarbeit mit AIDS Info Doku (Filmreihe Konfrontation HIV/AIDS), das Schweizer Radio und Fernsehen (Zwischenwelt, Unter Orang-Utans), H+ Die Spitäler der Schweiz (Zukunftsweisende Spitalinitiativen), die Erziehungsdirektion des Kantons Bern (Freiheitsentzug), das Museum der Kulturen Basel (Bao, The Upright Judge) oder das Schweizer Bundesamt für Bauten und Logistik (Kuppel über Bern).

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Auszeichnungen
  • Q Begegnungen auf der Milchstrasse (Encounters on the Milky Way): Berner Filmpreis
  • Freiheitsentzug (Imprisonment): Bester Auftragsdokumentarfilm, verliehen anlässlich des Film Festivals Locarno (Cristallo di Locarno)
  • Honorary award for outstanding educational films from Berner Schulwarte / Media Institute of Bern Teacher Training College (PHBern)
  • Shigatse – Eine Spritze kommt selten allein (Shigatse – One Injection Asks for More): Eingeladen an das Tibet Film Festival in New York (unter dem Patronat von Richard Gere)
  • Kräuter und Kräfte (The Power of Healing): Honorary award from the Schweizerischer Verband für natürliches Heilen (Swiss Association for Natural Healing)
  • Früher oder später (Sooner or Later): Nominiert für den Pare Lorentz Award der International Documentary Association, Los Angeles
  • Stipendium von der kantonalen Kommission für Fotografie, Film und Video, Bern, für einen sechsmonatigen Studienaufenthalt in New York City
  • Berufung zum Chinese High-Level Chair Professor (part time) under the Recruitment Program of Global Experts, China
  • Gleich und anders (Simply Different): Publikumspreis, Berner Filmpreis Festival

Mitgliedschaften
  • 1990–heute: Mitglied Verband Filmregie und Drehbuch Schweiz (Swiss Filmmakers Association)
  • Mitglied in Jurys, zum Beispiel am 4th China Zhenjiang Xijindu International Documentary Film Festival in 2016
  • 2016–heute: Mitglied der Fachjury Prix Thun für Kunst und Ethik
  • Mitglied von Expertenkommissionen an der Hochschule der Künste Bern
  • 2007: Mitglied der Strategiegruppe Berner Film Förderung
  • 2005–2008: Mitglied der Fachkommission Non-Ficton, Züricher Filmstiftung
  • 2007 and 2008: Mitglied der Jury Förderpreis für das beste Abschlussprojekt Zürcher Hochschule der Künste
  • 1987–1995: Mitglied der Film Kommission der Stadt Bern
  • 1985–2008: Dozent an der Schweizer Journalistenschule MAZ, der Akademie der Bildenden Künste München, und weiteren Institutionen

Filmografie und Kunstprojekte

Kino-Dokumentarfilme

  • Die Töchter einer Rebellin (Daughters of a Rebel) (in Entwicklung)
  • Gleich und anders (Simply Different) (2011–2016)
  • The Chinese Recipe: mutig und klug (2012–2016)
  • Alles fliesst (Everything Flows), Drehbuch (2005–2008)
  • Früher oder später (Sooner or Later) (2000–2003)
  • Q Begegnungen auf der Milchstrasse (Encounters on the Milky Way) (1998–2000)
  • Kräuter und Kräfte (The Power of Healing) (1994–1995)
  • Shigatse – Eine Spritze kommt selten allein (Shigatse – One Injection Asks for More) (1989–1990)
  • My Mother is in Sri Lanka, Ko-Regie mit Remo Legnazzi (1986)

Fernsehfilme und kurze Dokumentarfilme

  • The Magic of the Chinese Opera (in Entwicklung)
  • Seitenblick (Side Glance), experimental (in Produktion)
  • Die Angst hat 1000 Augen (The Fear that has a Thousand Eyes), Produzent (2011)
  • Boggsen (Boggsing) (2011)
  • Der rechtschaffene Richter BAO (Bao, the Upright Judge) (2011)
  • Kuppel über Bern (The Swiss Parliament Building) (2006–09)
  • Unter Orang-Utans (Living with Orangutans) (2008)
  • Wound Ballistic (2008)
  • Zwischenwelt (The World In-between) (2007)
  • The Rasheda Trust (2006)
  • Les Amis d’Amadou (Amadou’s Friends) (2004)
  • Freiheitsentzug (Imprisonment) (1996–1997)
  • Hey you! (1998)
  • Das Versprechen (The Promise) (1996)
  • Simulationszauber (The Magic of Simulation) (1995–96)
  • Rasheda – keine Zeit für einen Schwatz (Rasheda – No Time for a Chat) (1993–1994)
  • Konfrontation HIV/Aids (Confrontation HIV/Aids), sechs Episoden (1991–1993)
  • Sehen ist alles (Seeing means living) (1991)
  • Kleine Insuffizienzen mit Boris Nieslony (1990)
  • Fri-Art NY Made in Switzerland, Dokumentarfilm über die Ausstellung und die Performances, Ko-Regie mit Peter Guyer (1984)
  • Aktionen Bern mit Roman Signer (1983)
  • Auf dem Berg (On the mountain) (1983)
  • So Bern – Jugend auf der Strasse (So Bern – Youth on the Street), with Alex Sutter et al. (1980)
  • Video5 (1978)
  • Raum zum Leben – Häuserbesetzung Spitz (Space to live – Occupation of Houses), fragment (1975)

Installationen und Kunstprojekte

  • Stratagem, Xmedia Installation (in Produktion)
  • ZONES, interaktive vierkanal Installation, Kunst am Bau, Bern (1999–2012)
  • Schein (Shine), interaktive Video Installation, Bienzgut, Bern (1998)
  • The Presidents, Fri-Art Made in Switzerland, NY, Video Installation, Franklin Furnace, und Performances mit unter anderen Peter Guyer, Res Ingold, Michael Lytle, Chris Cochrane (1984)
  • ColorTV, Fri-Art Fribourg, Installation, kuratiert von Michel Ritter (1981)
  • Passagen (Passages), multimedia Installation, Helmhaus Zürich (1980)

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per Mail oder Telefon
+41 79 658 59 55 oder +86 13818837319.

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